Der Pfad des Mitgefühls Wie der Buddhismus als spiritueller Weg in die soziale Arbeit einfließen kann - Diplomarbeit von Catarina Skirecki

Hier können Sie die Diplomarbeit von mir zum Thema “Der Pfad des Mitgefühls-Wie  der Buddhismus als spiritueller Weg in die soziale Arbeit einfließen kann” herunterladen. Der Schwerpunkt liegt in der Ausführung, wie der Buddhismus als spiritueller Weg das Helfen unterstützen kann.

Zum Vorgeschmack ist hier die Einleitung:

Eine spirituelle Haltung kann soziale Arbeit nachhaltig beeinflussen. Soziale Arbeit ist vielleicht ohne sie gar nicht möglich. Das heißt nicht, daß nur Menschen, die sich als spirituell verstehen, helfen können.

In dieser Arbeit geht es darum, wie der Buddhismus als spiritueller Weg in die soziale Arbeit einfließen kann.

Der Buddhismus erklärt die Existenz des Leidens, seine Ursachen, die Möglichkeit, das Leiden zu beenden und den Weg, der aus dem Leiden führt. Auf die Grundlagen des Buddhismus gehe ich im ersten Teil der Arbeit ein. Sie bilden das Fundament für das Verständnis der nachfolgenden Kapitel.

Der zweite Teil setzt sich mit dem Leiden auseinander. Der Buddhismus sagt, daß Leiden Bestandteil des Lebens ist. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leiden birgt die Chance zu persönlichem Wachstum und ist zugleich Grundlage dafür, Mitgefühl zu entwickeln. Leiden ist etwas, das in unserer Gesellschaft keinen Platz bekommt. Leidende Menschen werden an den Rand gestellt und professionelle Helfer werden eingesetzt, um sich ihnen zu widmen.

Die Begegnung mit dem Leid macht den meisten Menschen Angst. Sie verschließen ihr Herz, um von diesem Leiden nicht berührt zu werden. Auch Sozialarbeiter als ausgebildete professionelle Helfer entwickeln Strategien, um dem Leiden der anderen nicht permanent unmittelbar ausgesetzt zu sein. Sie schirmen sich vom Hilfesuchenden ab. Das führt zu einem „professionellen“ Abstand. Der Hang zum Verdrängen des Leides lässt die Realität nicht sichtbar werden. Helfer verstecken sich häufig hinter Professionalität und nehmen damit in Kauf, daß Hilfe am Hilfesuchenden vorbeigeht.

Im vierten Teil geht es um das Helfen. Hier beantworte ich die Frage, was aus meiner Sicht nötig ist, damit Hilfe gelingen kann. Die Einschätzung dessen, worunter der andere wirklich leidet, kann nur richtig sein, wenn die Realität gesehen, gespürt und anerkannt wird. Oft meint man als Helfender zu „wissen“, worunter der Andere leidet. Die verschieden Ursachen dafür werden hier erläutert.

Der Fokus in dieser Arbeit richtet sich auf das Sein des Helfers. Ich behaupte, daß die Wirkung der Hilfe abhängig ist vom Sein des Helfers. Dieses Sein sollte von Werten und Erkenntnissen getragen sein. Die buddhistische Lehre bietet aus meiner Sicht eine Grundlage dafür.

Mitgefühl, Liebe, Freude und Gleichmut, im Buddhismus die Vier unermesslichen Geisteszustände genannt, sind Eigenschaften, die sich auf dem spirituellen Pfad entwickeln. Jeder Mensch, ob Buddhist oder nicht, hat die Möglichkeit, diese Qualitäten in sich zu wecken. So entsteht damit eine Voraussetzung für wirkliche Begegnung mit anderen Menschen, da sie sein Herz öffnen. Dem Mitgefühl gebe ich dabei einen hervorgehobenen Platz, da es meiner Ansicht nach für den helfenden Prozess besondere Relevanz hat. Mitfühlendes Helfen geschieht als gleichberechtigter Austausch zwischen zwei Personen. Es gibt keinen, der durch seine Stärke über einem anderen steht, der schwächer ist. Grundlage dafür ist die Erkenntnis, daß alle Menschen gleich sind und auf ähnliche Weise leiden. So kann eine Begegnung von Herz zu Herz stattfinden. Helfen ist dann Dienen.

Mitgefühl, Liebe, Freude und Gleichmut sind eng miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Liebe trägt eine große Heilkraft in sich. Sie ist bedingungslos und wird als Fundament der menschlichen Natur bezeichnet. Freude beinhaltet Glück, Leichtigkeit und Klarheit. Aspekte, die im helfenden Prozess manchmal nicht mehr sichtbar sind. Mit Freude kann man Abstand bekommen und neue Perspektiven sehen. Gleichmut bezeichnet einen Haltung, die nicht wertet und urteilt. So können die Dinge, die geschehen, genommen werden, wie sie sind. Man kann sehen, was wirklich ist. Im helfenden Prozess ermöglicht Gleichmut eine Ebene des Vertrauens.

Eine weitere Grundlage für das Dienen ist Achtsamkeit. Sie ist die Energie, die zum Gewahrsein eines jeden Augenblicks führt und wirkliche Präsenz schafft. Das Verweilen im Hier und Jetzt ist Ausdruck der Achtsamkeit. Ebenso der Anfängergeist, der offen und voller Neugier in jedem Moment aufnimmt, was kommt. So kann man als Helfer vorschnellen Schlüssen entgegenwirken. Die grundlegende Haltung des Nicht-Wissens macht erst lebendiges Handeln und Kreativität möglich. Achtsames Zuhören und Achtsame Rede sind zwei weitere Aspekte der Achtsamkeit. Sie ermöglichen eine respektvolle Kommunikation mit offenem Herzen.

Eine dritte Grundlage für Hilfe ist die Erkenntnis der Allseitigen Verbundenheit. „Alles Tun hat weitreichende Wirkung“ und „das Äußere ist immer ein Spiegel dessen, was in einem selbst ist“, sind hier die Grundaussagen. Dienen wird aus der Erkenntnis der Allseitigen Verbundenheit zu einem Selbstverständnis.

Weitere Aspekte, die wahre Hilfe unterstützen, sind das Anerkennen der Buddhanatur in jedem Menschen, das Aufgeben aller Rollen, das Bewußtmachen der Motivation und auch das Tun durch Nichtstun.

Im fünften Kapitel zeige ich auf, was für den Helfer nützlich sein kann, wenn er die oben genannten Haltungen in sich entwickeln möchte. Ich zeige Möglichkeiten, die es dem Helfer erleichtern, Mitgefühl in sich zu wecken.

Dazu gehört, daß man sich mit seinem eigenen Leid auseinander setzt. Mit sich selbst in Kontakt zu kommen bedeutet, sich seinem eigen Schmerz zu stellen, Liebe für sich selbst zu entwickeln, aus der dann Vertrauen zu sich selbst wachsen kann. Mit Achtsamkeit für sich selbst zu leben, die vielen Rollen, in denen man ist, zu erkennen und jenseits davon seine eigene Identität zu finden, sind weitere Möglichkeiten, die beschrieben werden. Sie führen unter anderem dazu, die eigene Intuition zu stärken.

Die Wege, die man beschreiten kann, um sich diese Möglichkeiten zu eröffnen, sind insbesondere die Meditation, das Einhalten ethischer Regeln und die Übung der Achtsamkeit. Den Alltag kann man als Lehrmeister nutzen, indem man mit ganzem Herzen hilft und das gibt, wozu man in der Lage ist. Fehler sind Bestandteile des Prozesses und dienen dazu, daraus zu lernen. Wenn man sich ganz und gar in den helfenden Prozess einlässt, spürt man, wie viel man darin für sich gewinnen kann. Helfen ist dann gleichzeitig Geben und Nehmen. Alle beschriebenen Wege sind von jedem nutzbar, unabhängig davon, ob er Buddhist ist oder nicht.

Grundintention meiner Arbeit ist es also, aufzuzeigen, daß der Buddhismus eine Bereicherung für soziale Berufe und soziales Engagement sein kann. ….

Somit möchte ich die Leser meiner Arbeit in gegebenenfalls unbekannte Gebiete einladen und hoffe, daß ich die vielleicht ungewohnte Begrifflichkeit, die aus den buddhistischen Belehrungen resultiert, einigermaßen verständlich machen konnte.

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